Regentänze, Skalps und Erntedank:das wundersame Wesen Mensch

Heute soll es um ein Thema gehen, das wohl sehr klischeebehaftet ist: Regentänze. Ich dachte auf Anhieb an die amerikanischen Indianer, viel mehr fiel mir vorerst nicht ein. Doch als ich mich schlaumachte, sah ich, dass es Regentänze in der ganzen Welt gibt und gab und wo es Regentänze gibt, muss es natürlich auch Sonnentänze geben, richtig? Es gab bei den zahlreichen Indianerstämmen in Nord-, Mittel- und Südamerika eine unglaubliche Vielfalt an Tänzen und den damit verbundenen Ritualen und Zeremonien. Deshalb meine Entschuldigung vorab: es geht nicht nur um Regentänze. Und es gibt einfach zu viele faszinierende Dinge, die der Mensch glaubt und tut. Einige davon möchte ich näher beschreiben.

Der Regentanz ist eigentlich ein zeremonieller Tanz, der in der Hoffnung aufgeführt wird, Regen auszulösen um damit z.B. die nächste Ernte zu garantieren.

Cherokee-Indianer aus dem Südosten der USA (Appalachen) führten Regentänze durch, um Niederschlag auszulösen und böse Geister zu vertreiben. Die Legenden des Stammes besagen, dass der beschworene Regen die Geister der früheren Stammesführer enthält und dass diese das Böse zwischen Realität und Geisterwelt bekämpfen. Während des Tanzes wurden Federn und Türkise getragen, um Wind und Regen symbolisch darzustellen. Die speziellen Abläufe während des Tanzes wurden über Generationen mündlich weitergegeben.

Der Sonnentanz dagegen wurde im Sommer abgehalten und dauerte acht Tage. Die ersten vier Tage blieben geheimen Zeremonien vorbehalten wie Fasten, Schwitzen etc. Man legte sich Buße, Entbehrungen und Selbstfolter auf. Sie dienten einer Art körperlicher und geistiger Selbstreinigung, was das Hauptziel des Sonnentanzes war. Manche Stämme folgten dem Ritus, dass die Tänzer sich Schlaufen in die Brustmuskeln schnitten, durch die an Pflöcken befestigte lange Schnüre gezogen wurden, deren Enden mit der Spitze eines hohen Pfahls verbunden waren. Der Tänzer tanzte nun schwingend und hängend um diesen Pfahl. Im allgemeinen wurde häufig auf der Stelle getanzt, bis man in Trance verfiel und eine Vision hatte. Diese Szene kommt auch in dem Film „Der mit dem Wolf tanzt“ vor. Während der ganzen Prozedur wurde gefastet. Die Sioux praktizierten diese Selbstfolter soweit, dass bei diesem Tanz die Muskelfasern rissen. Andere Stämme, wie die Kiowa, lehnten dies ab.

Beim sogenannten „Adlertanz“ war der Adler eine Art heiliges Wappentier für fast alle Indianer. In zahlreichen symbolischen Tänzen, Riten und Zeremonien wurde dies ausgedrückt. Der Adler galt als Symbol der Unantastbarkeit und Glücksbringer neben anderen Tieren und Bote der Gottheit. Er steht noch heute in der indianischen Dreiheit „Himmel-Adler-Mann“.

Der Büffeltanz war eine heilige Handlung der Prärie-Indianer, die dazu diente, die Büffelherden möglichst nahe an das Dorf zu locken. Wenn die Jäger keine Beute nach Hause brachten, wurde der Häuptling und der Schamane davon in Kenntnis gesetzt und die Ratsversammlung einberufen, die dann zum Büffeltanz aufrief. Eine Gruppe von zehn bis fünfzehn Männern kam dazu in der Dorfmitte zusammen. Die Tänzer trugen als Kopfbedeckung einen Büffelkopf mit Hörnern und hielten ihre Lieblingswaffen für die Jagd in der Hand. Begleitet wurde der Tanz von Trommeln, Rasseln, Liedern und schrillen Schreien. Man tanzte den Büffeltanz Tag und Nacht ohne Unterbrechung bis das gewünschte Ergebnis eintraf. Ermüdete Tänzer wurden durch einen Zuschauer ersetzt. Traf das Ereignis ein, wurden zu Ehren des Schamanen, der Tänzer und des großen Geistes Dankesrufe laut. Nach erfolgreicher Jagd opferte man dem großen Geist die besten Stücke und danach erfolgte eine große Feier mit entsprechendem Trinkgelage.

Der Peyotekult ist bis heute der einflußreichste Kult unter den Indianervölkern. Einst kam diese Zeremonie aus Mexiko, wo sie bereits im 16. Jhdt. vollzogen wurde. Im Mittelpunkt der Peyote-Zeremonie stand der Verzehr der bitter schmeckenden Peyote-Knöpfe – einer stachellosen Kakteenart, die im nördlichen Mexiko heimisch ist. Nach Einnahme des Peyote bekam man akustische Halluzinationen, leuchtende Farbvisionen und ein tiefes Gefühl der Brüderlichkeit der Teilnehmer. Bei einem Peyote – Treffen nahmen nur Männer teil, es wurde nachts in einem Tipi abgehalten. Man setzte sich um einen Altar aus Tonerde, der die Bergkette symbolisieren sollte, wo der Kaktus laut Legende gefunden worden sein sollte. Nachdem die Knöpfe verteilt waren, sang man unter Begleitung einer Trommel und Rasseln heilige Lieder. Die Zeremonie endete im Morgengrauen mit dem Frühstück. Jeder Teilnehmer hatte in der Nacht zwischen vier und dreißig Knöpfen gegessen. Der Verzehr des Peyote macht gegenüber anderen Rauschmitteln aber nicht süchtig.

Das Rauchen der „Friedenspfeife“ ist wohl das uns bekannteste Ritual der Indianer. Sobald in der Pfeife die „Kinnikinnick“ genannte Mischung aus Tabak und aromatischen Kräutern entzündet wurde, verband der Raucher damit oft tiefere Absichten. Ein festgelegtes Ritual musste beim Rauchen genau eingehalten werden, um einen Eid zu leisten oder einen Vertrag abzuschließen. Die Pfeife galt auch als Verständigungsmittel zur Geisterwelt. Eine weitere Verwendung fand die Pfeife als Reisepass oder bei privaten Auseinandersetzungen als Beschwichtigungsmittel. Brannte ein Krieger mit der Frau eines Anderen durch, so schickte er dem Gehörnten einen alten Mann mit einer Pfeife. Dies verlangte die Etikette. Wenn der Betrogene die Pfeife rauchte, so verzichtete er auf Rache. Jedoch hatte die Pfeife nicht immer einen religiösen Grund oder diente als Beschwichtigung, sie diente auch als Alltagspfeife, da bei den Indianern das Rauchen eine Angewohnheit war. So genau haben wir das bei „Lucky Luke“ nicht gelernt.

Eine weitere Tradition bei vielen indigenen ist der sogenannte „Skalptanz“. Bei vielen Stämmen wurde der Skalptanz nur von den Frauen getantzt. Er sollte beschwörend vor einem Kriegszug wirken oder wurde nach einem erfolgreichen Überfall getantzt. Die Frauen trugen während der Zeremonie die Siegestrophäen ihrer Männer an langen Stangen. Es war bei einigen Stämmen üblich, dass die Frauen die Kleidung ihrer Männer trugen.

Eine -wie soll ich sagen- „unangenehme“ Angewohnheit der nordamerikanischen Indianer war das Skalpieren. Nicht nur die Indianer praktizierten das Abtrennen der Kopfhaut, sondern schon der Geschichtsschreiber Herodot (um 485 – 425 v. Chr.) beschrieb diesen Brauch der Skythen, die im Schwarzmeergebiet siedelten, in jeder einzelnen Phase. Beim Skalpieren wurde rings um den Kopf über den Ohren mit dem sogenannten Skalpiermesser ein kreisförmiger Schnitt durchgeführt, der Rand der Kopfhaut freigelegt und das Haarbüschel mit den Zähnen losgerisssen. Bei einem getöteten Opfer wurde mit der linken Hand der Kopfscheitel fest zusammengefasst und mit dem Messer ein handtellergroßes großes Stück Kopfhaut herausgeschnitten. 1535 wurde das Skalpieren erstmals von den Huronen vorgenommen und dann griffen die Irokesen diesen Brauch auf. Sie waren es, die das Skalpieren zu den Sioux-Stämmen brachten. Dann breitete sich diese Sitte nach und nach über den ganzen nordamerikanischen Kontinent aus, allerdings verlor sich der religiöse Ursprung dieser Zeremonie.

Die Indianer maßen dem Skalp große Bedeutung zu, da nach ihrer Vorstellung hier der Sitz der Lebenskraft lag. Wenn der Feind skalpiert war, hatte er seine übernatürlichen Kräfte verloren und konnte nicht in die ewigen Jagdgründe eingehen. Der Skalpierte überlebte den Verlust der Schädeldecke wegen dem hohen Blutverlust nur selten.

Von dem Skalp wurde das Fleisch entfernt, dieser getrocknet und sorgfältig präpariert. Es war nicht Sitte der Männer, den Skalp zu umtanzen, diesen Brauch vollführten die Frauen im sogennanten Skalptanz. Niemals wurde der Skalp respektlos behandelt, dies hätte die Rache der Totengeister herausgefordert. Seine religiöse Rolle hatte der Skalp allerdings verloren und galt auch nicht mehr als Symbol einer Opferzeremonie, sondern eher als Zeichen des Sieges.

Die Grundlage für die indianische Religion war der Glaube an einen großen Geist, die Macht der Geister, die beseelte Natur, die Kraft von Visionen und Träumen und Schutzgeistern. Mit der Religion wurden Tänze und Zeremonien in Verbindung gebracht. Für die Indianer gab es keine genaue Trennung von Traum und Wirklichkeit.

Zum Schluß noch ein Abstecher nach Europa.

Verschiedene Arten des Regentanzes können in unterschiedlichen Kulturen gefunden werden, ob im Alten Ägypten oder bei den amerikanischen Ureinwohnern. Bis in das 20. Jhdt. gab es am Balkan ein Regentanzritual namens Paparuda (Rumänisch) bzw. Dodola (Slawisch). Paparuda ist eine rumänische und bulgarische Regenzeremonie, wahrscheinlich heidnischen Ursprungs, die im Frühling und in Zeiten großer Dürre durchgeführt wurde. Bei Dodola handelt es sich um eine slawische Regengöttin und Gattin des Obergottes Perun. Er ist der oberste Gott der slawischen Mythologie, Gott des Gewitters, des Donners und der Blitze. Kroatische und serbische Slawen veranstalteten die Dodola-Zeremonie in Zeiten von Dürre, indem sie die Göttin verehrten und um Regen beteten. Während des Rituals sangen junge Frauen bestimmte Lieder für Dodola, verbunden mit einem Tanz, für den sie in Blätter und Zweige gekleidet waren.

In Österreich haben wir zwar keine Regentänze, dafür aber Wetterprozessionen, Erntedankfeste, Bauernregeln und Lostage. Lostage sind bestimmte Tage im Jahr, die Aufschlüsse über das künftige Wetter geben und oft nach Heiligen aus dem Kirchenjahr benannt sind. Früher, als es noch keine verlässlichen Wettervorhersagen gab, waren sie wichtige Anhaltspunkte für die Landwirtschaft. Lostage wie die Eisheiligen namens Pankratius, Servatius, Bonifatius und die kalte Sophie zwischen dem 12. und 15. Mai bestimmen die Aussaat. Eine Bauernregel besagt: „Pflanze nie vor der kalten Sophie“. Es gibt bei uns um die hundert Lostage, die in den Bauernregeln zusammengefasst sind.

Diesen Monat wird wieder eine Tradition des westlichen Kulturkreises gefeiert: das Erntedankfest. Erntedankfeste haben ihren Ursprung schon in vorchristlicher Zeit. Zeitpunkt dieses Festes ist traditionell die Tag und Nachtgleiche um den 23. September. Im Mittelpunkt stand, damals wie heute, der Dank an die Götter und die verschiedenen Feld- und Fruchtgeister, was mit allerlei Opfergaben verbunden war. In Österreich werden Erntedankfeste überwiegend – je nach Region und vorherrschender Art der Landwirtschaft – im September oder Oktober gefeiert. Um Regen müssen wir ja hierzulande bekanntlich nicht tanzen, was aber kein Grund zur Trauer ist, dafür dürfen wir die Perchten und Kramperl im Winter wieder bestaunen.

//Johann

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