Vorgestellt: Fräulein Florentine

Als Linzer werden Sie das Fräulein Florentine wohl kennen, weil es immer am gleichen Ort steht und bei den Linzern wohl auch recht beliebt ist. Es scheint den Linzern auch nicht langweilig zu werden, denn sie statten ihm gerne einen Besuch ab.

Das „Salonschiff Fräulein Florentine“ ist ein Schiff, das an der Donaupromenade in Linz vor Anker liegt. Wann immer ich in Linz bin, gehört ein Abstecher auf dieses wackelnde kleine alte Schifferl zum guten Ton; dabei Kaffee mit selbst gebackenem Kirschkuchen genießen, sich wie in einem Strandhäuschen an der Nordsee fühlen und ein bisschen mit der abendlichen Brise bei Sonnenuntergang vom Meer träumen. Der Wellengang lässt mich mitschaukeln und die Gedanken wie die Wolken über mir vorüberziehen, ein kontemplativer Augenblick. Es gibt mir das Gefühl, dem oft tristen Alltag entfliehen zu können und in eine andere Welt einzutauchen. Hier fühlt man sich auch alleine nicht einsam.

Mein Blick schweift in der Dämmerung hinüber zur Linzer Stadtseite mit der pinken Beleuchtung des Lentos, dem Linzer Kunstmuseum. Die Lichter spiegeln sich auf der Wasseroberfläche der Donau. Auch die nahe Stadtbrücke ist beleuchtet und die glitzernden Farben vermischen sich und passen sich dem Wellengang an. Ich fühle mich wohl.

Auf der Florentine, die auf der Urfahr-Seite von Linz liegt, war ich schon Sommers wie Winters. Bei jedem Wetter, unter Deck wenn es regnet und ober Deck im Freien. Die Florentine ist ein kulinarischer Sozialraum inmitten der Stadt, ein Ort wo jeder den anderen so leben lässt wie dieser es will, Toleranz und Akzeptanz werden hier gelebt. Bei meinem letzten Besuch in Linz traf ich einige Gäste, die ich ansprach und zu einem Interview bat.

Am Nachbartisch sitzt Birgit, 40 Jahre alt. Ich beginne ein Gespräch mit ihr. Was sie hierherführt und seit wann sie diese Location kennt. „Ich kam erstmals hierher durch den Verein Exit, das ist eine Einrichtung für Betroffene von psychischen Erkrankungen. Gemeinsam mit meiner Gruppe machten wir Ausflüge hierher zum Kaffee trinken mit unserer Betreuerin“, lautet ihre ehrliche Antwort. „Ein anderes Mal war ich mit einer Freundin hier, da fand gerade ein exquisiter Flohmarkt statt mit selbstgemachten Sachen, die man sonst nirgendwo findet.“ Am kulinarischen Angebot gefallen ihr die variantenreichen Toasts und vom Personal selbst gebackene Kuchen. Und es ist ein Ort der Kommunikation, weil „hier trifft man viele Künstler und Studenten.“

Ein Blick auf die Speisekarte bestätigt Birgits Aussage über das vielfältige Angebot aus der Kombüse: Zu moderaten Preisen werden „Seemanns-Toast mit Räucherforelle“, ein scharfer „Warmer Teufel“ oder auch ein „Hühner-Mambo-Toast“ angeboten. Nach alter Seemanns-Tradition wird der Koch Smutje genannt. Und wo in der näheren Umgebung gibt es sogar am Wochenende Tagesmenüs? Bei Selbstbedienung ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Meine nächste Interviewpartnerin ist Doris, die zuvor mit Ihrem Partner einen längeren Sonntagsspaziergang auf der Donaulände unternahm und nun eine kurze Zeitspanne an Deck ausruhen will. „Obwohl ich keine Linzerin bin, kenne ich die Florentine schon seit über 4 Jahren, denn früher kam ich oft mit meinen beiden Kindern hierher. Es gibt nämlich auch Spiele, die man sich hier ausborgen kann“. Sie genießt das lockere Ambiente auf dem Schiff, während ihr Partner in der Zeitung blättert. Ich will das berufstätige Paar nicht lange in ihrer Zweisamkeit stören und beschließe, einen Blick ins Unterdeck zu werfen.

An der Bar sitzen vereinzelt einige Männer unterschiedlichsten Alters. Mich wundert, dass einer davon im „Falter“, der Stadtzeitung von Wien blättert. Das Zeitungangebot hier ist sehr vielfältig. Mit einer“Kupfermuckn“ setze auch ich mich an die Bar und bestelle einen grünen Tee. Während ich in der „Kupfermuckn“, dem Linzer „Augustin“, also einer Straßenzeitung blättere, lausche ich den Gesprächen ringsum. Mit Georg, einem Kunststudenten, komme ich schnell ins Gespräch und er macht mich auf den Veranstaltungskalender der Florentine aufmerksam. Jeden zweiten Donnerstag ist „Swing Time“, ein Abend mit Musik von jungen internationalen Künstlern. Seltener finden die Mode-Tauschbörsen statt. Mit dem Versprechen beim nächsten Linz-Abstecher wieder herzukommen, verabschiede ich mich und gehe den schmalen Gang zurück auf das Festland.

//Petra

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